Unsere Kunden im Interview

Steile Lernkurve

Seit März 2020 hat uns die Corona-Pandemie fest im Griff. Unser Leben unterliegt massiven Einschränkungen. Während die einen bis zum Limit arbeiten, liegen andere Branchen brach und sind teilweise in ihrer Existenz bedroht. Auch Bildungseinrichtungen waren und sind betroffen. Ein Interview mit Geschäftsführer Peter Burkowski beleuchtet die Situation der Führungsakademie für Kirche und Diakonie, kurz fakd.

Das Team der Führungsakademie (v.l.n.r.): Tilman Kingreen, Dr. Lars Charbonnier, Dr. Silke Köser, Peter Burkowski.

Interaktiv: Ausgabe 1 | 2021

1. Februar 2021

Präsenzveranstaltungen waren für die Bildungsanbieter von einem auf den anderen Tag nicht mehr möglich. Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie für die Führungsakademie?

Peter Burkowski: Sie hatte Auswirkungen auf die Formate unserer Angebote und auf unsere wirtschaftliche Situation. Insgesamt hatten wir im Jahr 2020 eine steile digitale Lernkurve. Seit April haben wir intensiv an der Entwicklung von Online-Formaten gearbeitet. Auf diese Weise waren wir sehr früh in der Lage, Seminare auch digital durchzuführen. Ebenso wichtig war es aber auch, für Führungskräfte Gesprächsräume zum Austausch bereitzustellen, weil es einen hohen Bedarf an kollegialer Beratung in dieser besonderen Krisensituation gab. Da haben sich die Netzwerke der Führungsakademie bewährt. Im Juni konnten wir dann – natürlich unter besonderen Hygienebedingungen und in ständiger Abstimmung mit den Teilnehmer/-innen – wieder in Präsenz oder in hybriden Formen tagen; und ab Mitte Oktober fand nahezu unsere gesamte Arbeit in Online-Formaten statt. Für 2021 haben wir mehr als 40 reine Online-Seminare in unserem Programm.

Wie gestaltet sich das Aufgabenspektrum, das sich durch die Krise abgezeichnet hat?

Peter Burkowski: Aus der Führungsperspektive der fakd ging es – wie bei vielen Organisationen in Kirche und Diakonie – um eine gute und klare Krisenkommunikation nach innen und außen. Es ging auch darum, in einen flexiblen und agilen Modus zu wechseln: Schritt für Schritt handeln und uns immer wieder neu ausrichten. Dabei haben wir die gute Zusammenarbeit im Team sehr zu schätzen gelernt. Gleichzeitig galt unsere besondere Aufmerksamkeit der wirtschaftlichen Situation, denn im Akademie-Hotel haben wir etwa 50 % und bei unseren Bildungsangeboten etwa 30 % der Einnahmen verloren. So waren wir natürlich auch auf staatliche Hilfen angewiesen. Besonders dankbar sind wir für eine Unterstützung durch die EKD und für Spenden, die uns erreicht haben.

Welche staatlichen Corona-Hilfen konnten Sie nutzen?

Peter Burkowski: Als reiner Bildungsanbieter im Feld von Kirche und Diakonie haben wir Mittel aus der Überbrückungshilfe beantragen können. Für manche staatlichen Hilfen sind wir zu klein, für andere zu groß, für wieder andere ist die Gemeinnützigkeit ein Hindernis.

Welche Lehren haben Sie für sich aus der Pandemie gezogen? Haben Sie Ideen und Konzepte für die Zukunft entwickelt?

Peter Burkowski: Für mich ist die wichtigste Einsicht die Erinnerung daran, dass überhöhte Vorstellungen von Planbarkeit und Machbarkeit grundlegend infrage gestellt wurden. Grenzen sind spürbar und die Unverfügbarkeit des Lebens ist überdeutlich geworden. Der christliche Glaube stellt in dieser Situation die Frage, woran wir Menschen uns orientieren und wie wir leben wollen. Eine weitere Erkenntnis ist die, dass wir große Flexibilität und Anpassungsfähigkeit brauchen, um die Zukunft gut zu gestalten. Hier bieten aus meiner Sicht die Konzepte der „Beidhändigkeit“ einen guten Weg an: Wie geht gleichzeitig Stabilität und Flexibilität?

Wie sieht die Gestaltung der Digitalisierung nach Meinung der Führungsakademie aus?

Peter Burkowski: Im Jahr 2020 wurde Digitalisierung in erster Linie als der neue Kommunikationsraum – vor allem der Video-Konferenzraum – verstanden. In Zukunft wird in Kirche und Diakonie viel intensiver die Entwicklung digitaler Prozesse, digitaler „Logiken“ und somit die Relativierung des Standorts und der unterschiedlichen Routinen eine Rolle spielen. Dazu benötigen Führungskräfte auch andere Kompetenzen als in der Vergangenheit: Führen auf Distanz, coachender Führungsstil, Vertrauen als Ressource, Stärkung von Selbstverantwortung usw.

Gibt es Ziele, die die Akademie verfolgt? Woran orientiert sich die Führungsakademie bei der Zielsetzung bzw. strategischen Ausrichtung der Weiterbildungen?

Peter Burkowski: Wir fragen uns in unserer eigenen strategischen Ausrichtung danach, welche Herausforderungen auf diejenigen zukommen werden, die in Kirche und Diakonie in Zukunft Verantwortung tragen werden. Das sind vor allem die großen Veränderungsthemen wie Digitalisierung, Generationenwechsel oder die Transformationsprozesse in der evangelischen Kirche. Dies erfordert Veränderungs-Kompetenzen und insbesondere die Beteiligung von Mitarbeiter/-innen. Ein weiterer Schwerpunkt ist für uns der Aspekt der personalen Führung in Zeiten der Veränderung: Die Rollen sind wichtiger als Positionen oder Ämter.

Sehen Sie längerfristige Auswirkungen auf Ihre Arbeit und Ihre Weiterbildungsangebote?

Peter Burkowski: Für die Zukunft stellt sich für uns die Frage, in welchem Verhältnis sich Präsenz-, Online- und Inhouse-Angebote gestalten werden und gestalten lassen. Wir sind der Überzeugung, dass es sehr wesentlich vom Inhalt abhängt, in welchem Format ein Seminar durchgeführt wird. Für eine klassische Pflicht-Schulung bedarf es keiner Präsenz; für ein Kommunikationstraining oder die Klärung der inneren Haltung schon eher. Unabhängig von der Corona-Pandemie sehe ich, dass sich unsere Arbeit immer individueller ausprägen wird: Was brauche ich für meine persönliche Entwicklung? In welchem Format werde ich durch Coaching, Kompetenzerweiterung, Lernräume und Feedbacks begleitet? Schon heute ist die Arbeit an den eigenen Fragen und Themen für uns zentral – übrigens geht das auch in Online-Formaten.

Vielen Dank, Herr Burkowski.

Weitere Artikel

Unser Kreditgeschäft

Ein Gespräch mit Jörg Moltrecht über das Kreditgeschäft der KD-Bank.

mehr

Negativzins (Teil 2)

Wir geben Antworten auf die häufigsten Fragen zu den Verwahrentgelten der KD-Bank.

mehr