Strategie der Bank

Vom Null- zum Negativzins

Sichere Staatspapiere des Bundes sind in allen Laufzeiten negativ. Der Einlagensatz der Europäischen Zentralbank liegt bereits seit gut sechs Jahren im Minusbereich. Was bedeutet dies für die institutionellen Kunden der KD-Bank? Dr. Ekkehard Thiesler und Ilona Pollach erläutern die Strategie der Bank im anhaltenden Negativzinsumfeld.

Interaktiv: Ausgabe 2 | 2020

24. September 2020

Die Kunden der Bank haben sich in den vergangenen Jahren auf eine anhaltende Niedrigzinsphase eingestellt. Wie schätzen Sie die derzeitige Marktsituation ein?

Dr. Ekkehard Thiesler: Ich gehe davon aus, dass sich die Situation durch die zu erwartenden massiven wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronapandemie zunehmend verschärft. Nach unserer Einschätzung schrumpfen die Handlungsspielräume der EZB, in absehbarer Zeit zu einem normalen Zinsniveau zurückzukehren. Diese Situation beeinflusst uns als Bank massiv. Hinzu kommt eine weitere aufsichtsrechtliche Anforderung, die als NSFR (Net Stable Funding Ratio) bezeichnet wird. Dabei werden die Anforderungen an die Bank hinsichtlich ihrer Liquidität erhöht, um die Stabilität der Banken bei kurzfristigen Liquiditätsabflüssen zu sichern und die Abhängigkeit von kurzfristigen Refinanzierungen zu senken. Das alles ist gut und sicherlich auch sinnvoll, führt aber konkret zu deutlich höheren Kosten für die Verwahrung liquider Anlagen bei der Bundesbank.

In dieser extremen Niedrigzinsphase ist verständlich, dass Anleger auf eine „Besserung“ hoffen. Das führt tendenziell zur Liquiditätshaltung auf den Kontokorrentkonten und maximal kurzfristigen Anlageentscheidungen, oder?

Ilona Pollach: In der Tat, dieses Verhalten beobachten wir auch bei vielen unserer Kunden. Die Liquiditätshaltung verschärft unsere Kostensituation zusätzlich. Wir berichten seit Jahren über die Zinsentwicklung und die dramatischen Auswirkungen für die Evangelische Kirche und die Bank für Kirche und Diakonie. Dabei weisen wir auch auf hohe liquide Bestände hin und begleiten Kunden bei der Strukturierung und Optimierung ihrer Geld- und Kapitalanlagen. Die Einführung des Verwahrentgelts für Kontokorrentguthaben – verbunden mit einem Freibetrag von zunächst mehr als 20 Mio. Euro ab Mitte 2016, dann 10 Mio. und zuletzt 5 Mio. Euro – war die Folge.

Und diese Maßnahmen reichen nicht mehr aus?

Dr. Ekkehard Thiesler: Nein, das reicht leider nicht mehr aus; wir müssen dringend weitere Schritte einleiten und uns strategisch nicht nur auf eine Nullzinsphase, sondern mittelfristig auf eine Negativzinsphase einrichten. Bezogen auf das Kontokorrentgeschäft bedeutet das, dass wir die „Nulllinie“ bei den Zinsen für Kontokorrentguthaben nicht mehr halten können und die Kosten für die Liquiditätsverwahrung verursachergerecht an unsere Kunden weitergeben müssen. Über die Verwahrentgelte geben wir lediglich Kosten weiter, die uns konkret entstehen. Wir haben keinen Ertrag für uns eingerechnet, den die Bank zur Deckung von Personal- und Sachkosten eigentlich benötigen würde.

Welche konkreten Maßnahmen gibt es derzeit?

Ilona Pollach: Wir arbeiten daran, im institutionellen Geschäft auf breiter Ebene ein Verwahrentgelt auf Girokonten einzuführen. Zum 1. August 2020 haben wir den Freibetrag auf Kontokorrentkonten unserer institutionellen Kunden aus Kirche und Diakonie von 5 Mio. Euro auf 1 Mio. Euro gesenkt. Für Guthaben darüber berechnen wir ein Verwahrentgelt von derzeit - 0,50 % p. a.; dies ist variabel und richtet sich nach dem aktuell gültigen Einlagensatz der EZB.

Wie kam der neue Freibetrag von 1 Mio. Euro zustande? Was bedeutet dieser konkret?

Dr. Ekkehard Thiesler: Die aktuelle Reduzierung des Freibetrags für kirchliche und diakonische Kunden auf 1 Mio. Euro ist eine strategische Entscheidung der Bank, mit der wir die Auswirkungen der Negativzinsphase abfedern wollen. Andere Banken und Sparkassen haben sich übrigens für deutlich niedrigere Freibeträge – häufig nur 100.000 Euro – entschieden.

Die regulatorischen Vorgaben für die Liquiditätshaltung der Bank werden sich im kommenden Jahr weiter verschärfen. Vereinfacht gesagt führen die neuen Regelungen dazu, dass wir mit dem Kapital, das uns institutionelle Kunden auf Kontokorrentkonten zur Verfügung stellen und das täglich fällig ist, nicht mehr arbeiten können, weil wir es genauso liquide vorhalten und bei der Bundesbank zu einem negativen Zins anlegen müssen. Das kostet uns zurzeit pro 1 Mio. Euro bis zu 5.000 Euro pro Jahr. Wir räumen diesen Freibetrag allen Kunden auf einem Konto ein und erhoffen uns, dass die Liquiditätshaltung auf den Kontokorrentkonten durch diesen Schritt auf ein betriebswirtschaftlich notwendiges Maß reduziert wird. Von diesem Effekt würden Kunden und Bank gemeinsam profitieren.

Was ist für die nächsten Monate geplant?

Dr. Ekkehard Thiesler: Wir stellen aktuell alle Produkte für institutionelle Kunden, die keine oder kurzfristige Kündigungsfristen beinhalten, auf den Prüfstand. Ich möchte zwei Beispiele nennen: Das klassische IK-Sparkonto mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten. Wir bieten das Produkt seit einigen Monaten nicht mehr aktiv an und werden voraussichtlich ab dem kommenden Jahr einen Höchstbetrag von 500.000 Euro pro Kunde für bestehende Konten definieren, den unsere institutionellen Kunden in diesem Produkt anlegen können. Das machen wir mit Blick auf kleine kirchliche oder diakonische Einrichtungen und Fördervereine. Alles, was über den Höchstbetrag pro Kunde hinausgeht, werden wir spätestens ab Mitte des Jahres 2021 nicht mehr als IK-Sparkonto mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten führen können. Ich hoffe und gehe davon aus, dass wir das im Einverständnis mit unseren Kunden umsetzen können und nicht von unserer Seite Kündigungen einzelner IK-Sparkonten aussprechen müssen, was wir als unsere letzte Option ansehen würden.

Das zweite Produkt, bei dem es für unsere inst itut ionel len Kunden deutlich spürbare Veränderungen geben wird, sind unsere kurz- und mittelfristigen Kündigungsgelder, bei denen wir schon jetzt absehen können, dass wir im Laufe des ersten Halbjahrs 2021 in den negativen Bereich rutschen werden und negative Zinsen bzw. Verwahrentgelte berechnen werden.

Was ist mit den Girokonten der Privatkunden der Bank – sind diese auch betroffen?

Ilona Pollach: Nein, für Guthaben auf den Girokonten unserer Privatkunden berechnen wir derzeit grundsätzlich kein Verwahrentgelt. Andere Banken erheben dies zwar bereits für Guthaben über 25.000 Euro, wir haben uns jedoch dagegen entschieden. Aufgrund der üblicherweise auf privaten Girokonten relativ geringen dauerhaften Guthaben sehen wir hier aktuell keinen generellen Handlungsbedarf.

Die Coronapandemie wird sich negativ auf das Kirchensteueraufkommen auswirken. Warum senken Sie gerade jetzt die Freibeträge für die Verwahrentgelte für liquide Einlagen? Wo bleibt die Solidarität der Bank mit Kirche und Diakonie?

Ilona Pollach: Die Corona-Pandemie stellt uns alle vor große Herausforderungen. Die starke Subventionierung der Liquiditätshaltung auf Kontokorrentkonten zu reduzieren, war jedoch auch ohne das Coronavirus für das Jahr 2020 geplant. Wir versichern, dass wir alles dafür getan haben, diesen Zeitpunkt so weit wie möglich hinauszuzögern. Die zugespitzte Situation hat den Handlungsdruck jedoch weiter erhöht, sodass wir keinen Spielraum mehr sehen, die sicherlich schmerzhaften nächsten Schritte weiter aufzuschieben. Wir sind allerdings davon überzeugt, dass das im Interesse der kirchlichen und diakonischen Eigentümer und Kunden langfristig der richtige Weg ist und dass wir als leistungsfähiger Partner im Kreditgeschäft auch zukünftig gefordert sein werden. Dies ist uns aber nur möglich, wenn wir keine Kundengruppe bevorzugen und einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen der einzelnen Kundengruppen schaffen. Nur so können wir eine solide Ertragssituation der Bank sicherstellen, um ausreichend Eigenkapital für die Kreditvergabe vorhalten zu können.

Dr. Ekkehard Thiesler: Wir sind davon überzeugt, dass eine signifikante Reduzierung der Liquiditätshaltung bei vielen unserer Kunden möglich ist. Ich sehe es als unsere Aufgabe an, betroffene Kunden im persönlichen Gepräch zu informieren. Unsere Kunden bitte ich, sich zu konkreten Kapitalanlagen beraten zu lassen: Nehmen Sie mit Ihrer Betreuerin oder Ihrem Betreuer Kontakt auf.

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