Unsere Kunden im Portrait: Diakonie in Südwestfalen

Für die Zukunft aufgestellt

Im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz ist das Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen der Spezialist in der Versorgung von schwer- und schwerstverletzten Unfallpatienten. Seit Januar fliegt der Rettungshubschrauber „Christoph 25“ seine Einsätze vom neuen Landedeck auf dem Dach des Krankenhauses. Die Bank für Kirche und Diakonie hat gemeinsam mit einem Konsortium die Finanzierung ermöglicht.

Investition und Finanzierung: Ausgabe 2 | 2021

8. September 2021

Patientinnen und Patienten haben hohe Erwartungen an die medizinische Versorgung, wünschen sich angenehme Rahmenbedingungen und eine gute Organisation bei einem Krankenhausaufenthalt. Im Interview erläutern der Geschäftsführer Dr. Josef Rosenbauer und der Kaufmännische Direktor Konrad Böhmer von der Diakonie in Südwestfalen, mit welchen Ideen sich das Diakonie Klinikum Jung-Stilling diesen Anforderungen stellt.

Das Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen blickt 2022 auf eine 75-jährige Geschichte zurück. Herr Dr. Rosenbauer, woher stammt der Name?

Dr. Josef Rosenbauer: Das Klinikum erinnert an den wohl berühmtesten Sohn des Siegerlands: Johann Heinrich Jung-Stilling. Er lebte von 1740 bis 1817, gilt als Pionier der Augenheilkunde, operierte im 18. Jahrhundert Tausende Menschen am Grauen Star, war überdies ein philosophisches, literarisches und ökonomisches Multitalent und als Schriftsteller ein vertrauter Freund von Johann Wolfgang von Goethe.

Was macht Ihr Krankenhaus besonders?
Dr. Josef Rosenbauer: Als das Akut- und Notfallkrankenhaus im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz fällt dem Diakonie Klinikum mit seinen 14 Fachabteilungen und annähernd 700 Betten über die Region hinaus eine besondere Bedeutung zu. Als zertifiziertes überregionales Traumazentrum sind wir der Spezialist in der Versorgung von schwer- und schwerstverletzten Unfallpatienten. Aber auch in anderen Disziplinen haben wir einen umfangreichen Versorgungsauftrag mit Alleinstellungsmerkmal. Zu nennen wären da beispielsweise die Neurochirurgie, die Geriatrie oder auch die Geburtshilfe mit angeschlossenem Perinatalzentrum Level 1, also der bestmöglichen Versorgungsstufe. Seit Jahrzehnten ist unser Haus mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 25“ zudem Heimstatt der ADAC-Luftrettung. Aber auch in puncto Technik sind wir stets auf der Höhe der Zeit und brauchen kaum einen Vergleich zu scheuen.

Welche Entwicklung hat das Diakonie Klinikum in jüngerer Zeit gemacht?

Dr. Josef Rosenbauer: Um das Diakonie Klinikum fit für die Zukunft zu machen, haben wir in den vergangenen zehn Jahren erheblich investiert – in Mensch, Technik und Beton. Zunächst haben wir unsere Zentrale Notaufnahme im Jahr 2012 baulich und konzeptionell erneuert. Medizinisch haben wir mit dem Auf- und Ausbau von Kardiologie, Gefäßchirurgie oder auch der Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastischen Chirurgie weit über die Grenzen von Südwestfalen Zeichen gesetzt. Es ist uns gelungen, hervorragende Ärzte samt Teams aus renommierten Häusern von unseren Konzepten zu überzeugen und für unser Klinikum zu gewinnen. Das kommt vor allem den Menschen in der Region zugute, die für viele, auch äußerst komplexe Behandlungen und Operationen nicht mehr zu fern entlegenen Kliniken verbracht werden müssen. Im Gegenteil: Heute suchen Patienten auch von weiter weg nicht selten den Weg zu uns auf, weil wir uns mit unserer Expertise auf einigen Gebieten einen guten Namen gemacht haben. Darauf sind wir natürlich auch ein bisschen stolz. Ob zwei hochmoderne Hybrid-Operationssäle, MRT- oder CT-Geräte, die Da-Vinci-Robotik, das dreidimensionale Brainlab samt Spezial-OP-Brillen oder auch neue Intermediate-Care-Stationen: Auch technisch sind wir, bei aller Bescheidenheit, in vielen Bereichen auf Universitätsniveau.

Konrad Böhmer: Doch wichtig war und ist natürlich auch, dass wir baulich wachsen. Das Krankenhaus platzt aus allen Nähten und war und ist in einigen Bereichen baulich nicht mehr zeitgemäß. Zu viele Mehrbettzimmer ohne Bad und Toilette, zu wenige Zweibettzimmer, von Einzelzimmern oder Inneneinrichtung ganz zu schweigen. Über Jahrzehnte wurde erhalten und nicht saniert. Genau das ändern wir jetzt. Denn wir müssen unser Klinikum auch baulich optimieren und benötigen dafür dringend mehr Platz. Dabei konnte das bei der Erbauung vor rund 50 Jahren bereits hochmoderne Konzept der innen liegenden Funktions- und Versorgungsräume und der jeweils außen liegenden Patientenzimmer fortgesetzt werden. Als erster Schritt wurden an einem Ende des Bestandsgebäudes in den vergangenen Jahren ein Anbau und die Aufstockung eines bereits vorhandenen Gebäudeteils realisiert. In einem zweiten Schritt ist für uns die Errichtung eines neuen Trakts am anderen Ende auf Gebäudehöhe ein entscheidender Meilenstein. Wir sind froh, wenn wir diesen im nächsten Jahr in Betrieb nehmen können.  

Dr. Josef Rosenbauer Geschäftsführer Diakonie in Südwestfalen
Was war der Anlass für die umfangreichen Investitionen? Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Dr. Josef Rosenbauer: Wir verfolgen ein klares Konzept: den medizinischen Stellenwert des Diakonie Klinikums auch über Südwestfalen hinaus im Sinne der Patientinnen und Patienten zu erhöhen und das Gebäude samt Personal, Technik und Einrichtung fit für die nächsten Jahrzehnte zu machen. Wir sind dabei noch nicht am Ziel, aber auf einem sehr guten Weg, den wir zielgerichtet und effizient fortführen werden.

Inwiefern hat die Coronapandemie den Krankenhausalltag und die Bauvorhaben beeinflusst?

Dr. Josef Rosenbauer: Alles dreht sich seit einem Jahr um die Pandemie. Corona mit all denÄngsten, Sorgen und Entwicklungen entscheidet nicht unmaßgeblich mit, was geht oder auch, was nicht geht, und bindet sehr viel Personal und Zeit. Ob in der Pflege, in der Ärzteschaft, in der Verwaltung und Organisation, ob in den Absprachen mit dem Gesundheitsamt oder den anderen Häusern. Das alles hat auch uns sicherlich nicht geholfen. Aber wir müssen wie jeder andere auch die Herausforderungen annehmen und das Beste daraus machen. Auswirkungen auf unsere Bauvorhaben hatte die Pandemie bis dato glücklicherweise kaum. Das neue Landedeck samt Hangar auf dem Dach des Diakonie Klinikums wurde mit kaum nennenswerter Verzögerung fertiggestellt. Und die Arbeiten für den Krankenhausanbau liegen auch einigermaßen im Zeitplan.

Welche Vorteile bringt der Hubschrauber-Landeplatz auf dem Dach? Wäre eine Platzierung am Boden nicht kostengünstiger gewesen?

Konrad Böhmer: Die Suche nach einem geeigneten Standort für den neuen Hubschrauberlandeplatz samt Hangar und Betriebsräumen hat uns lange Zeit beschäftigt. Am Ende stellte sich aus topografischer und genehmigungsbehördlicher Sicht die Dachlösung als optimal heraus. Insbesondere aus der Sicht der Patienten ergeben sich so die kürzesten Wege zwischen Hubschrauber und der meistens notwendigen operativen oder intensiv-medizinischen Versorgung im Klinikum. Weiterhin halbieren sich die Flugbewegungen für die Hubschrauber, da Lande- und Startplatz sowie Hangar sich auf der gleichen Ebene befinden. Zu guter Letzt werden durch die große Höhe des Flugdecks die Anwohner und Patienten bedeutend weniger durch den Fluglärm belästigt.

Die Gesamtinvestitionen (ab 2016) belaufen sich auf insgesamt 80 Mio. Euro. Wie haben Sie Ihre Vorhaben finanziert?

Dr. Josef Rosenbauer: Wie zuvor beschrieben, reiften die Überlegungen und Planungen für die Erweiterung des Standorts Jung-Stilling bereits seit Mitte der 2000er-Jahre. Seit dieser Zeit wurden Teile der jährlich erhaltenen Baupauschale, die nicht für Investitionen verbraucht wurde, für eine spätere Verwendung angespart. So konnten wir dann zu Beginn der konkreten Baumaßnahmen einen Teil der notwendigen Gesamtfinanzierung als Eigenkapital einbringen.

Konrad Böhmer: Den darüber hinaus notwendigen Fremdkapitalanteil haben wir dann zusammen mit unseren Hausbanken langfristig finanziert. Dabei kam uns natürlich die aktuelle Niedrigzinsphase sehr gelegen. Grundlage unserer Finanzierungsplanung ist eine integrierte Mehrjahresplanung, die wir seit 2014 für jeweils einen Fünfjahreszeitraum erstellen und von unabhängigen Wirtschaftsprüfern plausibilisieren und testieren lassen. Hierin werden sowohl Aufwands- und Ertragsplanung als auch die Planung der Bilanzkennzahlen prospektiv berechnet. Die geplanten Investitionsmaßnahmen werden dabei in ihren Auswirkungen bereits berücksichtigt. Durch die Simulation von Stressszenarien (Veränderung Zinssatz, Kostenprogression, Umsatzrückgang) konnten wir die Leistungsfähigkeit und am Ende die Kapitaldienstfähigkeit des Konzerns so realistisch einschätzen, dass wir die Investitionen in dieser nicht unerheblichen Größenordnung umsetzen konnten.

Konrad Böhmer, Kaufmännischer Direktor Diakonie in Südwestfalen
Warum haben Sie sich für eine Konsortialfinanzierung entschieden?

Konrad Böhmer: Wir wollten dieses Investitionspaket unbedingt mit unseren Hausbanken umsetzen, da diese uns und unsere Entwicklung seit vielen Jahren vertrauensvoll begleiten. Die Aufteilung der Gesamtfinanzierungssumme auf mehrere Konsortialpartner ist zwar im Vorfeld aufwendiger, bietet aber unter dem Aspekt der Risikominimierung für alle Beteiligten klare Vorteile.

Wie empfanden Sie dabei die Zusammenarbeit mit der Bank für Kirche und Diakonie?

Konrad Böhmer: Die KD-Bank hat sich als Finanzierer des größten Konsortialanteils zur Wahrnehmung der Konsortialführerschaft bereit erklärt. Dabei wurden wir als Kunde stets über alle Entwicklungs- und Genehmigungsschritte der verschiedenen Kreditantragsverfahren transparent und zeitnah informiert, sodass am Ende ein für alle Beteiligten zufriedenstellendes Vertragswerk entstanden ist. Wir empfinden die Zusammenarbeit mit der KD-Bank als vertrauensvolle Partnerschaft, in der uns über viele Jahre Unterstützung bei der Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen zuteilwurde.

Wir möchten mit unseren Krediten einen positiven Beitrag leisten – was verändert bzw. verbessert sich für die Patienten?

Dr. Josef Rosenbauer: Für unsere Patientinnen und Patienten verbessern sich vordergründig erst einmal die sogenannten weichen Faktoren. So erweitern wir durch den Anbau auch unseren Empfangsbereich und können dadurch die Aufnahme von Patienten nicht nur räumlich, sondern auch organisatorisch optimieren. Für die Patienten bedeutet das klare Orientierung, kurze Wege und kürzere Wartezeiten. Wie bereits erwähnt, erhöhen die neuen Patientenzimmer mit jeweiligem großzügigen Sanitärbereich auch den Komfort. Heutzutage ist es nämlich nicht nur wichtig, Patienten medizinisch optimal zu versorgen. Sie fordern vielmehr auch ein modernes Umfeld ein, in dem sie sich den Umständen entsprechend wohlfühlen können. Das zusätzliche Platzangebot auf allen Ebenen wollen wir in erster Hinsicht dazu nutzen, um der teilweise akuten Raumnot in den Abteilungen zu begegnen. Auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird sich dadurch die Arbeitssituation weiter nachhaltig verbessern.

Wie ist die Strategie des Diakonie Klinikums für die Zukunft?

Dr. Josef Rosenbauer: Nach einer Phase der Konsolidierung und Neuausrichtung hat sich das Diakonie Klinikum vor einigen Jahren auf den Weg begeben, sich mit mutigen und innovativen Entscheidungen im Sinne der Menschen, für die wir da sein wollen, zu einem der technisch modernsten und medizinisch besten Krankenhäuser im weiten Umkreis zu entwickeln. Vieles davon wurde trotz nicht einfacher werdender Rahmenbedingungen bereits umgesetzt. Und damit legen wir die Basis, dauerhaft für die Patienten mit Top-Ärzten, hoch motiviertem Pflegepersonal und bester Technik medizinisch über die Region hinaus Maßstäbe zu setzen. Der jetzige Anbau ist die Realisierung der vor einigen Jahren vorgenommenen Planung am Standort Jung-Stilling.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

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