Unsere Kunden im Portrait: Diakoneo

Herausforderung angenommen

Einen gemeinsamen Weg haben das Ev.-Luth. Diakoniewerk Neuendettelsau und das Evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall eingeschlagen. Die beiden Komplexanbieter haben sich zu Diakoneo zusammengeschlossen, um die Herausforderungen im Gesundheits- und Sozialmarkt zu meistern. Die Bank für Kirche und Diakonie begleitet sie dabei. Im Interview erläutern der Vorstandsvorsitzende Dr. Mathias Hartmann und der kaufmännische Vorstand Dietmar Motzer Hintergründe und Zukunftsperspektiven.  

Investition und Finanzierung: Ausgabe 1 | 2021

1. Februar 2021

Das ist Diakoneo

Das Ev.-Luth. Diakoniewerk Neuendettelsau und das Evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall haben sich am 1. Juli 2019 unter dem Namen Diakoneo zu einem neuen diakonischen Unternehmen zusammengeschlossen. Mit mehr als 10 000 Mitarbeitenden in über 200 Einrichtungen bietet Diakoneo umfassende Leistungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pflege, Wohnen, Assistenz, Arbeit und Spiritualität. Mit einem Umsatz von rund 650 Mio. Euro zählt Diakoneo zu den fünf größten diakonischen Unternehmen in Deutschland.


10.000
MITARBEITENDE

sind für Diakoneo aktiv.

200
EINRICHTUNGEN

zählen zum Angebot von Diakoneo.

6
KLINIKEN

unterhält Diakoneo.

1.250
KRANKENHAUSBETTEN

bietet Diakoneo.


Wie kam es zum Zusammenschluss der beiden diakonischen Träger?

Dr. Mathias Hartmann: Das Ev.-Luth. Diakoniewerk Neuendettelsau und das Evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall waren bereits seit vielen Jahren miteinander im guten Kontakt. Beide diakonische Unternehmen sind im 19. Jahrhundert als Diakonissenanstalten Kaiserswerther Prägung gegründet worden und haben ihren Sitz zwar in verschiedenen Bundesländern, aber in benachbarten Landkreisen. Ausschlaggebend für das Eintreten in die Gespräche zu einem möglichen Zusammenschluss war vor allem die aktuelle Dynamik im Gesundheits- und Sozialmarkt. Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft erforderten neue Wege.

Ziel der Fusion ist es, neue Entwicklungschancen zu schaffen und die Stabilität beider Unternehmen nachhaltig zu sichern. So steht unter anderem in Schwäbisch Hall eine große Baumaßnahme am Diak-Klinikum an, und der Klinikverbund der Diakonie Neuendettelsau sollte mit seinen vormals 750 Betten durch die Ausweitung auf jetzt 1 250 Betten eine stabile Größe erreichen, um für die Zukunft nachhaltig aufgestellt zu sein. Vor dem rechtlichen Zusammenschluss gab es viele Aufgaben zu erledigen. Nach einer ausführlichen beiderseitigen Prüfung konnte im März 2019 die Zustimmung der Aufsichtsgremien beider Unternehmen zum Zusammenschluss erreicht werden, und am 1. Juli 2019 startete Diakoneo als Unternehmen mit neuem Namen und neuer Marke. Wir gehören nun mit über 10 000 Mitarbeitenden und über 650 Mio. Euro Umsatz zu den fünf größten diakonischen Unternehmen in Deutschland.

Dr. Mathias Hartmann, Vorstandsvorsitzender Diakoneo
Was war die größte Herausforderung bei der Realisierung?

Dietmar Motzer: Bei einem Zusammenschluss von zwei großen diakonischen Unternehmen über eine Bundeslandgrenze hinweg gibt es viele unterschiedliche Interessen der einzelnen Stakeholder. Diese gilt es in einem solchen Prozess gut zu moderieren und abzustimmen und dabei das Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren. So war neben der Einbindung zweier Landeskirchen, zweier diakonischer Werke, zweier Aufsichtsgremien und zweier Landesregierungen vor allem auch die Einbindung unserer Mitarbeitenden und Führungskräfte von größter Bedeutung. Rückblickend freut es mich, dass uns dies sehr gut gelungen ist und die Abstimmungen uns einen großen Schritt in der Integration vorangebracht haben, nicht zuletzt dank der Unterstützung aller Beteiligten in diesem Prozess.

Dietmar Motzer, Kaufmännischer Vorstand Diakoneo
Der Krankenhausmarkt gilt als schwierig. Diakoneo hat sich jedoch ganz klar in diesem Geschäftsfeld positioniert. Warum?

Dr. Mathias Hartmann: Es ist unsere grundsätzliche Überzeugung, dass es neben privaten und öffentlichen Trägern auch freigemeinnützige Träger am Gesundheitsmarkt braucht, die es verstehen, Werteorientierung mit Managementkompetenzen zu verknüpfen, um den Gesundheitsmarkt zukunftsfähig aufzustellen. Durch diese Grundüberzeugung und den hohen Bedarf in der Gesellschaft nach werteorientierten Gesundheitsleistungen ist es aus unserer Sicht trotz großer Herausforderungen nicht angezeigt, dass wir uns aus diesem Markt zurückziehen. Vielmehr investieren wir weiter in unseren Gesundheitsbereich, der durch die Fusion mit 1 250 Betten und 6 Kliniken eine stabile und nachhaltige Größe erreicht hat. Unser Ziel ist es, auch in Zukunft der erste Ansprechpartner in der medizinischen Versorgung und Begleitung unserer Kunden und Patienten zu sein. Neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung spielt vor allem auch die seelsorgerliche Begleitung eine wichtige Rolle in unserer täglichen Arbeit.

Was ist das Besondere am Standort Neuendettelsau?

Dietmar Motzer: Neuendettelsau ist der Gründungsort der Diakonie Neuendettelsau und der heutige Sitz von Diakoneo. Bereits seit der Gründung im 19. Jahrhundert sind alle aktuellen Geschäftsfelder in Neuendettelsau vertreten: Dienste für Menschen mit Behinderung, Dienste für Senioren, Dienste für Kinder, Bildung und Gesundheit. Bereits von Anfang an wurde aber auch sehr stark überregional gearbeitet, und die Diakonissen waren weit über die Grenzen Deutschlands hinaus mit ihrem Dienst für die Menschen präsent und aktiv.

Dr. Mathias Hartmann: Auch wenn man es durch die Modernisierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren nicht mehr sieht, ist die Klinik Neuendettelsau unser ältester Klinikstandort. Heute arbeitet die Diakoneo Klinik Neuendettelsau sehr eng mit der Diakoneo Klinik Schwabach zusammen. Beide Standorte bieten gemeinsam übergreifende Dienstleistungen zum Beispiel in den Fachgebieten Kardiologie und Gastroenterologie an. So ist es uns möglich, den Menschen vor Ort die bestmögliche medizinische Versorgung anzubieten. Wir nutzen die Fachexpertise, die an beiden Standorten vorhanden ist, und bündeln diese zu einem Rundum-Paket für unsere Patienten.

Die Corona-Epidemie stellt den Krankenhausmarkt auf den Kopf und vor große Herausforderungen. Der zuvor oft geforderte Abbau von Bettenüberkapazitäten wird neu bewertet. Welche grundsätzlichen Veränderungen erwarten Sie für Krankenhäuser in Deutschland?

Dietmar Motzer: Durch die Corona-Krise erfahren die Care-Berufsgruppen eine deutlich gesteigerte Wahrnehmung und Wertschätzung. Das finde ich gut. Als Optimist glaube ich, dass davon auch nach der Krise etwas übrig bleibt und sich der Krankenhaussektor deutlich verändern wird. Wir dürfen dann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und müssen für bessere Rahmenbedingungen in der Gesundheitsversorgung und Pflege kämpfen. Die in den vergangenen 15 bis 25 Jahren massiv vorangetriebene Ökonomisierung von Gesundheit und Pflege wird an manchen Punkten noch mal auf den Prüfstand kommen müssen. Parallel wird die Diskussion um die Reduktion kleinerer Krankenhäuser in der Fläche sicher neuen Fahrtwind aufnehmen, da die Krise uns sehr deutlich vor Augen führt, wie wichtig die flächendeckende Gesundheitsversorgung für unsere Gesellschaft ist.

Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit mit der Bank für Kirche und Diakonie?

Dietmar Motzer: Die Zusammenarbeit mit der KD-Bank entwickelt sich seit rund drei Jahren sehr positiv. Wir schätzen besonders das tiefe Verständnis der Bedingungen der Refinanzierung von Diakoneo, die innovativen Ideen zur Strukturierung von Finanzierungen sowie die Schnelligkeit in der Bearbeitung unserer Anfragen.

Jörg Moltrecht, Vorstand, und Björn Stein, Repräsentant Diakonie & Sozialwirtschaft in Bayern, betreuen Diakoneo in finanziellen Angelegenheiten.

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