Interview mit Vorstandsmitglied Jörg Moltrecht

Nachhaltigkeit im Kreditgeschäft

Ein Gespräch mit Jörg Moltrecht über das Kreditgeschäft der Bank für Kirche und Diakonie, aktuelle Entwicklungen im Bereich Sustainable Finance und deren Auswirkungen auf die Kreditvergabe und die Kundenberatung.

Investition und Finanzierung: Ausgabe 1 | 2021

1. Februar 2021

Herr Moltrecht, wie hat sich das Corona-Jahr auf das Kreditgeschäft ausgewirkt?

Jörg Moltrecht, Vorstand KD-Bank

Jörg Moltrecht: Gern werfen wir einen Blick auf die Kreditentwicklung im abgelaufenen Jahr. Unser Haus unterscheidet sich als kirchliche Spezialbank wesentlich von Geschäftsbanken, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen in Deutschland.  

Im Mittelpunkt unseres Auftrags stehen kirchliche und diakonische Einrichtungen. Mit unserer Kreditvergabe, die ein bedeutender positiver Bestandteil unseres nachhaltigen Handelns ist, begegnen wir dringenden sozialen Herausforderungen in unserer Gesellschaft. So unterstützen wir dauerhaft die Arbeit unserer Kunden aus Kirche und Diakonie. Unsere Kundinnen und Kunden haben auch und gerade im vergangenen Jahr eindrucksvoll bewiesen, wie wichtig sie für unser Gemeinwohl sind. Deshalb freut es mich besonders, dass wir im Corona-Jahr wiederum viele neue Projekte begleiten durften und neue Kredite in Höhe von über 650 Mio. Euro zugesagt haben. Der Kreditbestand insgesamt wuchs wie in den Vorjahren kräftig, im abgelaufenen Jahr sogar um ca. 15 % auf über 2,2 Mrd. Euro.

Die Bankenbranche stellt sich auf das Thema Nachhaltigkeit ein. In der Werbung, in Interviews und in den Geschäftsberichten ist das Thema präsent wie nie. Wie kommt es zu dieser Entwicklung?

Jörg Moltrecht: Ich sehe diese Entwicklung bei unseren Mitbewerbern auch und wundere mich manchmal, wenn ich die Werbebroschüren lese, die aktuell produziert werden. Ich denke, dass viel Optimismus in der Marketingbotschaft steckt und der Weg für die eine oder andere Bank noch lang ist. Das ist die eine Seite; auf der anderen Seite muss ich feststellen, dass endlich auch in unserer Branche angekommen ist, dass die Europäische Union (EU) es mit ihrem Aktionsplan für eine „nachhaltige Finanzwirtschaft“ ernst meint. Das Ziel der EU und der Bundesregierung ist es, Kapitalströme in nachhaltige Investments umzuleiten, die Transparenz zu erhöhen und den Aspekt der Nachhaltigkeit im Aufsichtsrecht zu verankern. Das ist in unserer Branche auch dringend nötig und wir unterstützen diese Ziele als Bank für Kirche und Diakonie. Ich sehe uns bei unseren eigenen Projekten und Aktivitäten im Nachhaltigkeitsbereich, die wir in den vergangenen 15 Jahren freiwillig und aus einer christlichen Motivation heraus umgesetzt haben, grundsätzlich gut aufgestellt.

Herr Moltrecht, Sie sind für einen großen Teil des institutionellen Kundenkreditgeschäfts verantwortlich. Was wird sich bei der Kreditvergabe konkret verändern?

Jörg Moltrecht: Bezüglich der Kreditvergabe möchte ich betonen, dass unser Kreditportfolio seit Gründung der Bank aus der Perspektive eines ethisch-nachhaltigen Geldanlegers herausragend ist. Viele unserer Kredite fließen direkt in diakonische Projekte und dienen damit dem Gemeinwohl. Unsere Gründer haben mit dem kirchlichen Finanzkreislauf ‚Impact Investing‘ in Reinkultur betrieben, bevor der Begriff überhaupt erfunden wurde. Sicherlich gibt es auch bei uns weitere Ansätze für Verbesserungen. Die Regulatorik der Bankenaufsicht erfordert zusätzliche Maßnahmen und Dokumentationspflichten.

So werden wir zukünftig in unseren Kreditgesprächen einen stärkeren Fokus auf die Nachhaltigkeitsüberlegungen unserer Kundinnen und Kunden legen. Wir werden gemeinsam finanzielle Risiken identifizieren und darauf achten, dass diese in seiner Nachhaltigkeitsstrategie berücksichtigt werden. Denn auch in der Diakonie und im kirchlichen Bereich ist es wichtig, dass es gute Governance-Strukturen gibt, der Umgang mit Geschäftspartnern, Kunden und den Mitarbeitenden gut ist. Und natürlich auch die Frage nach dem schonenden Umgang mit Ressourcen. Dabei wollen wir einerseits Nachhaltigkeitsrisiken für das Kreditgeschäft ermitteln, andererseits aber auch die diesbezügliche finanzielle Stabilität des Kunden stärken. Darüber hinaus sehen wir aber auch den Ansatz für die Fördermittelberatung und günstige Förderkredite. Gerade mit Blick auf die Klimaziele der EU und der Bundesregierung wird die Energieeffizienz der Gebäude in den nächsten Jahren bei der Finanzierung eine noch größere Rolle spielen als bisher. Da ist der CO2-Preis, den die Bundesregierung zu Jahresbeginn eingeführt hat, nur ein Anfang.

Wie sieht das konkret aus, welche Informationen benötigen Sie von Ihren Kunden?

Jörg Moltrecht: Das lässt sich nicht pauschal beantworten, weil wir im institutionellen Geschäft sehr heterogene Strukturen haben. Grundsätzlich sind wir interessiert an der Einschätzung der Nachhaltigkeitsrisiken durch das Management und den Prozessen zur Reduzierung der Risiken und CO2-Daten. So erhalten wir die Möglichkeit, dem Kunden seine CO2-Intensität im Branchenvergleich zu spiegeln und gleichzeitig die CO2-Intensität unseres Kreditgeschäfts zu messen und zu steuern. Viele institutionelle Kunden der Bank verfügen auch schon über ein Umweltmanagement und eine stichhaltige Nachhaltigkeitsberichterstattung, bei einigen Kunden fehlen diese Informationen bislang völlig.

Wie gehen Sie damit um, wenn diese Informationen fehlen?

Jörg Moltrecht: Dann sprechen wir mit dem Kunden, warum das so ist und auf welchem Wegabschnitt er sich befindet. Wir sind uns im Klaren darüber, dass wir eine Übergangsphase haben werden, bei der wir zum Beispiel in der Frage nach dem CO2-Fußabdruck und der Klimawirkung unserer Investitionen mit Schätzungen und Annahmen arbeiten müssen. Dafür entwickeln wir geeignete Instrumente. Aber es ist wichtig, dass das Bewusstsein über die ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit auch in Kirche und Diakonie vorhanden ist. Offen gesagt kann es nicht sein, dass gewerbliche privatwirtschaftliche Unternehmen, die sich am Kapitalmarkt refinanzieren, ein besseres Nachhaltigkeitsmanagement als Sozialunternehmen im Bereich der Diakonie haben. Hier möchten wir Überzeugungsarbeit leisten. Wir sind überzeugt, dass es für die Kirche selbst und jedes diakonische Unternehmen Sinn macht, sich nachhaltig und zukunftsorientiert auszurichten.

Vielen Dank, Herr Moltrecht.

Weitere Artikel

Unsere Kunden: Diakoneo

Diakoneo bietet umfassende Leistungen z.B. in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Pflege.

mehr

Wir laden Sie ein!

Auch 2021 möchten wir uns mit Ihnen austauschen und planen Veranstaltungen für Institutionen.

mehr