Langfristige Sicherung niedriger Zinsen

Swaps als Finanzierungsbaustein

Swap-Geschäfte genießen häufig einen zweifelhaften Ruf: spekulativ, intransparent und riskant ist häufig zu hören. Es gibt jedoch auch Gegenbeispiele für den sinnvollen Einsatz dieses Finanzinstruments. So zum Beispiel bei der Modernisierung des Campusgeländes der Diakonie Michaelshoven. Ein Erfahrungsbericht.

Foto: © Diakonie Michaelshoven

Investition und Finanzierung: Ausgabe 2 | 2020

24. September 2020

Herr Ufer, die Diakonie Michaelshoven treibt seit einiger Zeit die Modernisierung ihres sozialen Angebots in Köln voran, was auch einige Baumaßnahmen auf dem Campus-Gelände einschließt. Zuletzt war dies die Errichtung von Service-Wohnungen. Was war Ihnen bei der Finanzierung besonders wichtig?

Uwe Ufer: Um das Investment zur Modernisierung unseres Campusgeländes dauerhaft auf sichere Beine zu stellen, lag uns eine sehr langfristige Zinssicherheit – über die üblichen zehn bis 15 Jahre hinaus – am Herzen. In der aktuellen Niedrigzinsphase hielten wir dies für besonders attraktiv und geboten. Die passgenaue Gestaltung in Bezug auf den erforderlichen Mittelbedarf zählte selbstverständlich auch dazu.

Herr Pierburg, Sie verantworten das Vertriebsmanagement für institutionelle Kunden bei der Bank für Kirche und Diakonie. Welche Finanzierungswünsche sehen Sie bei den Kunden aus der Sozialwirtschaft?

Carsten Pierburg: Viele unserer Kunden modernisieren derzeit ihre Immobilien, um erforderliche Änderungen in den Angeboten auch räumlich umzusetzen. Dabei handelt es sich meist um langfristig ausgerichtete Investitionen, die auch langfristig finanziert werden; Darlehenslaufzeiten von rund 30 Jahren sind die Regel. Aufgrund der Zinsentwicklung in den vergangenen Jahren steigt die Tendenz, diese Zinsen möglichst über die gesamte Darlehenslaufzeit zu sichern.

Banken finanzieren in der Regel nur mit Zinsbindungen von zehn bis maximal 15 Jahren. Warum ist das so und wie können Sie dennoch den Bedarf der Kunden erfüllen?

Carsten Pierburg: Hintergrund ist, dass uns die entsprechend langfristigen Einlagen auf der Passivseite der Bilanz fehlen. Hier wirkt sich das Zinsniveau gegenläufig zu den Darlehensanfragen aus, weil Geldanleger derzeit tendenziell langfristige Bindungen scheuen. Den zunehmenden Bedarf an sehr langfristigen Zinsbindungen bei den Darlehen können wir aber sehr gut mittels derivativer Finanzinstrumente, wie z. B. Swaps, decken. Hierüber sind Zinsbindungen von bis zu 30 Jahren möglich.

Warum eignen sich gerade derivative Zinsabsicherungen für Kunden der Bank für Kirche und Diakonie? Wie genau funktioniert das?

Roman Schulzki: Die Kunden der Bank investieren in den Erhalt der Substanz oder wollen diese erweitern. Bei diesen Investitionen geht es nicht darum, ein Immobilienprojekt zu realisieren und dann mit möglichst hohem Gewinn schnell wieder zu veräußern. Daher ist fast immer ein langfristiger Zinssatz gewünscht, um eine feste Kalkulationsbasis und somit langfristige Planungssicherheit für die Zukunft zu haben. Ganz genau diesem Wunsch entspricht eine klassische Zinssicherung.

Die Kundenlösung besteht aus zwei Teilen, die aufeinander aufbauen: der eigentlichen Finanzierung durch die KD-Bank (Grundgeschäft) sowie der zugehörigen Zinssicherung durch die DZ Bank. Die Finanzierung erfolgt über ein variabel verzinstes Darlehen, das die nötige lange Laufzeit und Flexibilität bietet. Hier wird der Zinssatz entsprechend der Zinsentwicklung regelmäßig angepasst. Um dieses Zinsänderungsrisiko über die Finanzierungslaufzeit auszuschließen, erhält der Kunde aus der Zinssicherung den jeweiligen variablen Zinssatz und zahlt im Gegenzug den bei Abschluss vereinbarten festen Zinssatz. Da Finanzierung und Zinssicherung inhaltlich aufeinander abgestimmt sind, dient das Derivat in Verbindung mit der Finanzierung ausschließlich der langfristigen Zinsfestschreibung und nicht der Spekulation.


Uwe Ufer ist kaufmännischer Vorstand bei der Diakonie Michaelshoven.

Carsten Pierburg leitet das Vertriebsmanagement Institutionelle Kunden bei der Bank für Kirche und Diakonie - KD-Bank.

Roman Schulzki arbeitet im Bereich Kapitalmärkte Institutionelle Kunden als Spezialist Zins- und Währungsmanagement bei der DZ Bank.  


Also hat der Kunde unterm Strich aus dem Grundgeschäft bei der KD-Bank und der Zinssicherung über die DZ Bank nichts anderes als einen Festsatzkredit über die gewünschte Laufzeit?

Roman Schulzki: Ja, ganz richtig! So ist es beispielsweise auch bei der Diakonie Michaelshoven. Ich kann mich noch gut an unsere Gespräche erinnern. Herr Ufer hat aufgrund seiner Vorerfahrungen größten Wert darauf gelegt, dass es keine Komponenten gibt, die die Zinsbelastung über den Sicherungszeitraum ändern könnten. Genau diesem Wunsch entsprechen ein Festzins-Zahlerswap oder auch andere einfache Zinssicherungsinstrumente.

Herr Ufer, Sie haben bereits umfangreiche Erfahrungen mit derivativen Geschäften gemacht. Welche sind das?

Uwe Ufer: In meiner Zeit als Bürgermeister der Stadt Hückeswagen in der Zeit von 2004 bis 2013 befand sich meine Kommune sowie zahlreiche andere in der Situation, in der Vergangenheit viele Kreditverträge mit fixen Zinssätzen abgeschlossen zu haben. Diese Zinssätze waren dann aber nicht mehr marktgerecht, sodass eine hohe Zinslast entstand, die die kommunalen Haushalte stark einschränkte. Um trotz der Zinsfestschreibung eine Entlastung der kommunalen Haushalte zu erzielen, boten die Banken in der damaligen Zeit Derivate als Lösung an. Die Ausgestaltung dieses Derivats erfolgte in der Regel durch ein Swap- Geschäft. Leider stellte sich bei der inhaltlichen Ausgestaltung dieser Geschäfte nach Jahren heraus, dass die von der Bank konstruierten Swap-Geschäfte in vielerlei Hinsicht intransparent waren und den Kommunen ein vorher nicht bekanntes enormes wirtschaftliches Risiko bescherten. Die Konstruktion dieser Swaps entsprach weder dem Kundenwunsch noch waren die wirklichen Risiken hinreichend transparent. Nach einem Klageverfahren, das sich mehrere Jahre bis zur letzten Instanz beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe hinzog, konnte die Stadt allerdings erfolgreich gegen diese Form von Derivaten vorgehen und damit Schaden abwenden.

In welchen Fällen halten Sie Swap-Geschäfte grundsätzlich für die Diakonie geeignet?

Uwe Ufer: Natürlich stand ich auch bei dem Abschluss der Swap-Geschäfte der Diakonie Michaelshoven immer noch unter dem Eindruck der oben genannten Situation. Trotzdem glaube ich aber, dass Swap-Geschäfte ein geeignetes Mittel sind, um hohe Investitionen langfristig wirtschaftlich zu finanzieren. Bei der Finanzierung unserer Investitionen haben wir uns für einen Plain-Vanilla-Swap entschieden, der ein einfaches Finanzinstrument ist, um einen günstigen Zinssatz für die gesamte Laufzeit eines Kreditvertrags zu sichern. Ein solches Derivat ist transparent, bilanzrechtlich anerkannt und hat vor allem keine spekulativen Risiken. Nur aus diesem Grund bin ich der Auffassung, dass Derivate, soweit sie risikolos sind und eine bis zum Ende der Vertragslaufzeit festgeschriebene Zinsbindung ermöglichen, auch und gerade im diakonischen Kontext geeignete Mittel sind, um große Investitionen erfolgreich zu realisieren.

Was würden Sie anderen Kreditnehmern aus Ihrer Erfahrung heraus raten?

Uwe Ufer: Investitionen zu finanzieren, ist stets eine Herausforderung. Die Entwicklung der Kapitalmärkte und die Zinsbelastung für die zukünftigen Jahre zu erahnen, ist wohl unmöglich. Trotzdem glaube ich, dass das derzeitige Zinsniveau auf einem so niedrigen Level angekommen ist, dass sich eine Festschreibung der Zinsen auch durch Derivate bis zum jeweiligen Ende der Kreditlaufzeit lohnt. Damit wird es auch zukünftigen Generationen möglich sein, von diesen extrem niedrigen Zinsen zu profitieren. Bei allen Derivaten muss jedoch sichergestellt werden, dass ihre Tragweite vollumfänglich transparent ist und bilanztechnisch mit den jeweiligen Wirtschaftsprüfern auf Angemessenheit und Tauglichkeit überprüft wurde.

Carsten Pierburg: Grundsätzlich eignen sich Swap- Finanzierungen für jede langfristige Investition mit Finanzierungsbedarf ab rund 1 Mio. Euro, bei der eine sehr langfristige Zinssicherheit angestrebt wird. Aufgrund der im Vergleich zu einem Standard-Festzinskredit komplexeren Struktur setzen wir dabei auf eine umfassende Beratung unter Beteiligung der Experten unserer Zentralbank. Die hohe Flexibilität in der Ausgestaltung ermöglicht es zudem, von Förderkrediten mit niedrigen Zinsen und Tilgungszuschüssen zu profitieren und trotzdem die Zinsen langfristig abzusichern. So lassen sich gerade für lange Bauzeiten günstige Angebote gestalten. Kunden und Interessenten können sich gern an uns wenden.

Zinsswap

Der Zinsswap ist ein Swapgeschäft, bei dem sich zwei Parteien dazu verpflichten, zu festgesetzten Zeitpunkten in der Zukunft Zinszahlungen auszutauschen. Die Zinszahlungen erfolgen beim Zinsswap auf festgelegte Nennbeträge. In der Regel werden die zu zahlenden Zinsen so festgesetzt, dass ein Vertragspartner bei Abschluss des Vertrags einen bestimmten, festen Zinssatz zahlt, der andere Vertragspartner jedoch einen Zinssatz, der variabel ist. Zinsswaps dienen häufig der Absicherung gegen Zinsänderungsrisiken.

Plain Vanilla

Die Standardform eines Swaps wird oft als Plain Vanilla (sowohl plain als auch vanilla englisch für gewöhnlich) bezeichnet. Gemeint ist der Austausch von fixen und variablen Zinszahlungsströmen.

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