Unsere Kooperationspartner im Portrait

Erfolg mit Kontinuität

Seit über 15 Jahren bieten die Bank für Kirche und Diakonie und die DZ Privatbank gemeinsam eine ethisch-nachhaltige Vermögensverwaltung an. Perspektiven blickt hinter die Kulissen und sprach mit den Verantwortlichen über Pioniergeist, Veränderungen und  Kontinuitäten in der Anlagestrategie und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Portfoliomanagement.

Sparen und Anlegen: Ausgabe 1 | 2021

1. Februar 2021

Herr Hamacher, Sie waren sozusagen als „Steuermann“ auf der Seite des Vermögensverwalters seit Beginn mit „an Bord“. Wie haben Sie diese Anfangszeit erlebt?

Wolfgang Hamacher: Es war auf jeden Fall äußerst spannend. Die nachhaltige Geldanlage  war im Jahr 2005 noch ein absolutes Nischenthema. Gleichwohl gab es bei der KD-Bank einen großen Bedarf nach einer eigenen Investmentstrategie. Geldanlagen sollten unter Berücksichtigung der christlichen Werte nicht nur auf die Rendite fokussiert sein, sondern auch sozialverträglich, ökologisch und generationengerecht erfolgen. Der Auftrag lautete, eine Vermögensverwaltung mit Nachhaltigkeitskriterien zu entwickeln. Für die Umsetzung hat es dann einen runden Tisch mit den damals Verantwortlichen der KD-Bank, einem auf nachhaltige Investments spezialisierten Researchanbieter und uns gegeben, bei dem ein Kriterienkatalog definiert und der sogenannte Nachhaltigkeitsfilter erarbeitet wurde.


Stefan Brenken, Spezialist für nachhaltige Geldanlagen & Wertpapiere, KD-Bank

Wolfgang Hamacher, bis 2020 bei der DZ Privatbank verantwortlich für Vermögensverwaltungsmandate

 

Gregor Lenders, Senior-Portfoliomanager, DZ Privatbank

Jörg Lorenz, Leiter Portfoliomanagement bei der Niederlassung Düsseldorf, DZ Privatbank

 


DZ Privatbank im Überblick

  • Verwaltetes Vermögen im Asset Management: 19,8 Mrd. Euro
  • Kernkapitalquote: > 23,61 % (gemäß Luxemburger Aufsichtsrecht)
  • Bilanzsumme: 17,5 Mrd. Euro
  • Mitarbeitende: ca. 1.200
  • Management: Aktives Portfoliomanagement unter Berücksichtigung eines agilen und risikokontrollierten Investmentprozesses
  • Nachhaltigkeit: ausschließlich Direktinvestments in Anleihen und Aktien für nachhaltige Investmentlösungen, fokussiertes Research nach ethisch-nachhaltigen Kriterien, strenger Nachhaltigkeitsfilter mit rund 250 Ausschluss- und Bewertungskriterien, somit auch Orientierung am EKD-Leitfaden
  • Mindestanlage: zurzeit rund 1 Mio. Euro

Damit waren Sie rund zehn Jahre vor der UN und ihren ESG-Kriterien für Sustainable Finance am Markt.

Wolfgang Hamacher: Wenn Sie es so wollen, ja. Wir haben für uns das Thema glücklicherweise entdeckt, bevor der Gesetzgeber die Finanzbranche in diese Richtung reguliert hat. Der damals entstandene Nachhaltigkeitsfilter erfüllt übrigens zu einhundert Prozent die Anforderungen für den heutigen Leitfaden für die ethisch-nachhaltige Geldanlage in der gesamten evangelischen Kirche.  

Und wie haben Sie die Lösung an die Kunden gebracht? Der „Run“ auf diese Geldanlagen war ja noch nicht flächendeckend vorhanden, sicherlich auch nicht bei uns in der KD-Bank.

Wolfgang Hamacher: Wir haben erst mal klein angefangen, bei einer Handvoll Kunden von Ihnen die Lösung implementiert und die Strategie verprobt. Auch hier waren wir der Zeit voraus. Im Digitalzeitalter werden solche Vorgehensweisen als „agiles Design“ verkauft. Wobei es hierbei in allererster Linie vor allem auf kooperative Kunden ankommt, die gemeinschaftlich etwas bewegen wollen. Ehrliches Feedback, dynamische Anpassung der Kriterien, Fortentwicklung – all das war gegeben. Dazu ein unermüdlicher Einsatz der Beratungskollegen in der KD-Bank. Geholfen hat uns am Ende natürlich auch die gute ökonomische Wertentwicklung. Ein nachhaltiges Investment und Rendite schließen sich bekanntlich nicht aus, das ist heute Allgemeinwissen und durch zahlreiche Studien belegt. Diese Überzeugung gab es damals aber noch nicht flächendeckend.

Herr Brenken, Sie sind bei der Bank für Kirche und Diakonie zuständig für die Zusammenarbeit mit der DZ Privatbank. Worauf kommt es Ihnen bei der Vermögensanlage für Ihre Kunden an?

Stefan Brenken: Ich arbeite seit gut 20 Jahren als Bankfachwirt, davon mehr als 15 Jahre in der Betreuung vermögender Privatkunden, Stiftungen und institutioneller Investoren. Unseren Kunden ist es wichtig, einen Partner an ihrer Seite zu haben, der langfristig denkt und handelt. Einen Partner, der Verantwortungübernimmt und die ihm anvertrauten Gelder kompetent und nachhaltig anlegt. Dafür stehe ich persönlich und dafür stehen wir als KD-Bank und DZ Privatbank im genossenschaftlichen Verbund.

Wir haben gehört, Herr Hamacher, dass Sie nun in den wohlverdienten Ruhestand gehen und sozusagen den Staffelstab an die Kollegen übergeben. Welche Veränderungen dürfen wir denn erwarten?

Gregor Lenders: An dieser Stelle übernehme ich gern. Wir arbeiten bei der DZ Privatbank ebenfalls genossenschaftlich in Teams, und auch ich begleite das Thema nun schon länger. Viele Kunden kennen mich bereits. Einige Kunden von Wolfgang Hamacher werden künftig von meinem Kollegen Jörg Lorenz betreut, er bringt ebenfalls eine langjährige Expertise und Erfahrung in Sachen nachhaltige Geldanlage mit in unsere Portfoliosteuerung. Wir setzen also auf Kontinuität.

Und in Sachen Anlagestrategie?

Gregor Lenders: Hier ist der Wandel eigentlich schon immer Programm. Wir stehen stets in einem engen Austausch – sowohl mit den Beratern als auch mit den strategischen Abteilungen ihrer Bank. Eine gute Anlagestrategie muss „atmen“ können und sich bewegen, die Zeit bleibt ja schließlich auch nicht stehen.

Können Sie unseren Leserinnen und Lesern ein konkretes Beispiel nennen?

Gregor Lenders: Gern. Es gibt beispielsweise jährliche Überprüfungen, ob die Kriterien noch passen. Denken Sie beispielsweise an den Reaktorunfall in Fukushima vor einigen Jahren. Das hat dazu geführt, dass wir die Toleranzgrenzen für Atomkraft auf null gesetzt haben, also in kein Unternehmen mehr investieren, das den Strom auf diesem Weg erzeugt. Und auch in Sachen Research bewegt sich hinter den Kulissen eine Menge. Es gibt nicht mehr den einen Anbietenden, sondern viele Datenbanken und Methoden, die wir prüfen und für die Bewertung von Einzeltiteln heranziehen. Der Markt wächst ständig, was der ethisch-nachhaltigen Geldanlage guttut, denn damit steigt die Qualität im Auswahlprozess. Bei aller Dynamik ist aber auch das Thema Verlässlichkeit genauso wichtig.

Wie definieren Sie Verlässlichkeit?

Gregor Lenders: Die Basis bleiben immer die Nachhaltigkeitskriterien für ethisch-nachhaltige Geldanlagen in der evangelischen Kirche, darauf können sich unsere Kunden verlassen. In Einzelfällen gehen wir nur darüber hinaus, sind also strenger. Ein Darunter gibt es nicht. Dazu kommt das Thema Transparenz. Wir investieren in keine „Vehikel“ wie Fonds oder Zertifikate. Nur Direktinvestments in Aktien und Anleihen bieten hierfür die größtmögliche Sicherheit, und daran halten wir auch künftig fest. Anlegerinnen und Anleger haben so Klarheit darüber, wo ihr Investment „wirkt“.

 

Ein aktuelles Thema können wir derzeit nicht ausblenden. Anfang des Jahrs ist der Kapitalmarkt recht zügig von der Corona-Pandemie überrascht worden. Wie haben Sie als Vermögensverwalter hierauf reagiert – auch mit Blick auf die nachhaltigen Investmentlösungen?

Jörg Lorenz: Wir haben in der Vermögensverwaltung über die Karnevalstage – also noch kurz bevor die Märkte deutlich einbrachen – unsere Aktienquote in allen Strategien in einem ersten Schritt auf ein einfaches Untergewicht reduziert. Dies geschah aus der frühzeitigen Erkenntnis, dass es sich bei dieser Virusinfektion um ein Geschehen handelt, das sich nicht mehr lokal eingrenzen lässt und entsprechende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Aktivität haben wird.

Damit haben Sie sehr proaktiv gehandelt. Wie ging es denn dann weiter?

Jörg Lorenz: Nachdem wir diesen ersten Schritt getätigt hatten, sind insbesondere die Aktienmärkte – aber auch die Rentenmärkte – in den Crashmodus übergegangen. Verglichen mit den Jahresanfangswerten fielen die wichtigen Aktienmärkte um 30 bis 40 %. Auch die Schwankungsintensität der Aktienmärkte nahm extrem zu, sodass auch die Risiken für die Portfolios sehr stark anstiegen. Nachdem die Regierungen weltweit massive Konjunkturpakete im Volumen von mehreren Billionen US-Dollar verabschiedeten und dies auch durch entsprechende Stützungsmaßnahmen der Notenbanken flankiert wurde, konnten sich die Märkte wieder deutlich erholen, obwohl die Coronabedingten Auswirkungen auf die Wirtschaft noch gar nicht abzusehen waren. Um die stark gestiegenen Portfoliorisiken zu begrenzen und unserer Verantwortung für die Vermögenssicherung gerecht zu werden, haben wir in die Markterholung Ende März weitere Aktien verkauft und uns damit in den Portfolios entsprechend wertsichernd positioniert.

In den letzten Monaten schienen die Kapitalmärkte ja gut mit dem Virus leben zu können.

Jörg Lorenz: Zumindest können die Märkte mit den finanz- und notenbankpolitischen Hilfen gut leben. Dies zusammen mit der Hoffnung auf einen Impfstoff und ein stärkeres Wachstum 2021 hat die Börsen beflügelt und zu deutlich steigenden Kursen geführt. Wir haben dieser Divergenz zwischen Realwirtschaft und Marktreaktion ebenfalls Rechnung getragen, indem
wir im Juni und September unsere Aktienquote in zwei Schritten wieder in den neutralen Bereich angehoben haben. Als sich Joe Biden als neuer US-Präsident herauskristallisierte, haben wir die Aktienquote nochmals leicht angehoben, sodass wir bereits kursmäßig von der Zulassung des ersten Impfstoffs in den USA profitieren konnten. Parallel haben wir das Portfolio stärker Richtung Value ausgerichtet, um an der erwarteten weiteren zyklischen Konjunkturerholung partizipieren zu können.

Heißt das, dass die Corona-Krise zumindest an den Kapitalmärkten ausgestanden ist?

Jörg Lorenz: Ausgestanden hieße, dass es keine negativen Überraschungen mehr gäbe. Der Lockdown seit Mitte Dezember letzten Jahrs ist zwar in den Märkten eingepreist, sollte eine weitere Verschärfung aber das produzierende Gewerbe beeinträchtigen, dürfte dies zu neuen Unsicherheiten an den Märkten führen. Daneben haben wir noch Themen wie den soeben vollzogenen Brexit sowie eventuelle Enttäuschungen unter der US-Präsidentschaft von Joe Biden. Genannt seien hier beispielsweise höhere Unternehmenssteuern Unternehmenssteuern sowie Einschränkungen für Tech-Konzerne. Auf der anderen Seite erwarten wir für 2021 eine gute wirtschaftliche Entwicklung in Verbindung mit zukünftig wieder steigenden Gewinnen und damit weiterem Kurssteigerungspotenzial für die Aktienmärkte. In Kombination mit lang anhaltend niedrigen Zinsen ist die langfristige Attraktivität der Anlageklasse Aktien hoch. Die Rentenmärkte werden aber im Gegenzug auf absehbare Zeit weder relevante Zinserträge noch weitere Kursgewinne generieren. Aufgrund ihres Risikoprofils bringen sie aber Stabilität in die Portfolios.

Herr Brenken, wir übergeben Ihnen das Schlusswort. Wie beurteilen Sie die Leistungen der DZ Privatbank und die Zusammenarbeit in der Vermögensverwaltung?

Stefan Brenken: Wir arbeiten partnerschaftlich zusammen. Die gemeinsame Entwicklung und Weiterentwicklung der nachhaltigen Vermögensverwaltung hat uns geprägt und zu einem Team geformt.

Derzeit arbeiten wir an nachhaltigen Anlagelösungen für kleinere Budgets. Gemeinsam wollen wir unsere Kunden in die Lage versetzen, der anhaltenden Niedrigzinspolitik zu entfliehen. Das aktive Management einer nachhaltigen Vermögensverwaltung aus dem Hause der DZ Privatbank ist dafür eine gute Möglichkeit – klar, transparent und bodenständig.

Last, but not least: Herr Hamacher, vielen Dank für die gute Zusammenarbeit. Wir wünschen Ihnen für Ihren Ruhestand Gesundheit und Gottes Segen!

Hier schließen wir uns gern an und danken für das Gespräch.  

Konakt

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